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Alter Mann, was tust du?
Lear
Aribert Reimann
Oper in zwei Teilen nach William Shakespeare
eingerichtet von Claus H. Henneberg [1978]
Oper in zwei Teilen nach William Shakespeare
eingerichtet von Claus H. Henneberg [1978]
Nach den spektakulären Inszenierungen von »Das Floß der Medusa«, »MESSIAS« und »Jesus Christ Superstar« nimmt sich nun Barrie Kosky den Hangar 4 in Tempelhof vor und inszeniert dort einen Sturm: Aribert Reimanns überwältigende Klassiker-Vertonung »Lear« kehrt zurück an die Komische Oper Berlin, wo schon Harry Kupfer und Hans Neuenfels den großen Stoff vom alten König inszenierten.
König Lear schleppt sich dem Tod entgegen. Sein Reich will er unter seinen drei Töchtern aufteilen, woraufhin ein erbitterter Wettstreit entbrennt, denn jene, die den Vater am meisten liebt, soll den größten Teil erhalten. Während Goneril und Regan einander in Liebesschwüren übertrumpfen, verweigert Cordelia, die jüngste, den Wettstreit und trifft den Vater damit schwer, obwohl sie doch diejenige ist, die ihn am meisten liebt. Lear verstößt seine Lieblingstochter. Kaum ist das Reich geteilt, verbünden sich Goneril und Regan gegen den greisen Vater. Begleitet nur von seinem Narren, irrt der alte König nachts auf offenem Feld durch Regen und Sturm …
Zunächst stand Reimann der Komposition einer Oper auf Basis dieses komplexen Dramas kritisch gegenüber und bezeichnete den Stoff sogar als »Monster«, obwohl er bereits zahlreiche Literaturopern verfasst hatte. Trotzdem erhielt er 1975 einen Kompositionsauftrag von August Everding und setzte das Vorhaben gemeinsam mit dem Librettisten Claus H. Henneberg und Dietrich Fischer-Dieskau, für den er die Titelpartie schrieb, um, und erschuf eine der bedeutendsten Opern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die 1978 uraufgeführte Oper »Lear« verdichtet Shakespeares monumentales Drama in elf – teils simultan erklingenden – Szenen zu einem zeitlosen Meisterwerk von unvergleichlicher stimmlicher und instrumentaler Ausdruckskraft. Barrie Kosky inszeniert den Klassiker des modernen Musiktheaters als Endspiel eines Königs, der weiß, wie wenig Zeit ihm bleibt, und doch die Wahrheit nicht hören will. Der geliebt wird – und doch alleine sterben muss. Er zeigt, wie sich über Shakespeares erschütternder Vaterfigur ein Gewitter der Machtgeilheit entlädt.
Das 3. Jahr im Interim Schillertheater
Erfolgreiche Bilanz der Spielzeit 2025/26
Die Komische Oper Berlin blickt auf die Spielzeit 2025/26 zurück - die dritte außerhalb des Stammhauses in der Behrenstraße. Auch im Interim am Schillertheater sowie an weiteren Spielorten setzte das Haus seinen Kurs mit großen Produktionen, starker Publikumsresonanz und hoher Auslastung fort.
Die Gesamtauslastung blieb auf hohem Niveau: Bei den insgesamt 202 Vorstellungen wurden rund 170.700 Besucher:innen gezählt. Die Auslastung lag bei 92 Prozent.
Die Gesamtauslastung blieb auf hohem Niveau: Bei den insgesamt 202 Vorstellungen wurden rund 170.700 Besucher:innen gezählt. Die Auslastung lag bei 92 Prozent.
Zu den Höhepunkten zählten die Auftaktpremiere der Spielzeit 2025/26 »Jesus Christ Superstar« in der Regie von Andreas Homoki im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof sowie das Sinfoniekonzert »Tausend in Tempelhof« mit Gustav Mahlers 8. Sinfonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor James Gaffigan. Beide Produktionen erreichten zusammen mehr als 30.000 Besucher:innen bei einer Auslastung von annähernd 100%.
Neben Ruth Brauer-Kvam mit der Kinderopernuraufführung von Samuel Penderbaynes »Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse« kehrten auch Evgeny Titov mit Richard Strauss‘ »Salome«, Barrie Kosky mit Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk«, Herbert Fritsch mit Händels Oratorium »Belshazzar« und Axel Ranisch mit der DDR-Revue »Mokka-Hits und Milchbar-Träume« mit neuen Regiearbeiten zurück. Ihr Regiedebüt an der Komische Oper Berlin gab die polnische Theater- und Opernregisseurin Ewelina Marciniak mit der deutschen Erstaufführung von Olga Neuwirths »Orlando«.
Die Ko-Intendant:innen Susanne Moser und Philip Bröking: »Drei Spielzeiten im Interim, dazu Sanierung und Sparzwang - umso mehr freut uns dieser anhaltende künstlerische Erfolg und die Treue unseres Publikums. Gerade unter schwierigen Bedingungen gilt: künstlerische Qualität ist nicht verhandelbar. Diesen Anspruch wollen wir mit unserem Programm für die kommende Spielzeit wieder unter Beweis stellen.«
Bereits ab 4. September 2026 startet der Spielbetrieb im Schillertheater, wo das von Regisseur Kirill Serebrennikov gegründete »Kirill and Friends Berlin Festival« die Produktionen »Legende« und »Der Schneesturm« zeigt. Am 16. September startet die Auftaktpremiere »Lear« von Aribert Reimann in der Inszenierung von Barrie Kosky unter der Musikalischen Leitung von Nicholas Carter im Hangar 4 des Flughafen Tempelhof.
Nominierung für DER FAUST 2026:
Ambur Braid an der Komischen Oper Berlin
Ambur Braid ist für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. In der Kategorie »Darsteller:in Musiktheater« überzeugte sie die Jury mit ihrer Darstellung der Katerina Lwowna Ismailowa in Barrie Koskys Inszenierung von »Lady Macbeth von Mzensk«.
Die Jury begründete die Nominierung mit Braids außergewöhnlicher stimmlicher und darstellerischer Präsenz: »Ambur Braid ist den großen Herausforderungen der Partie der Katerina in jedem Moment gewachsen. Ihre phänomenale Technik und die reiche Substanz ihrer Stimme erlauben es ihr, große dynamische Nuancen zu realisieren und gestützt durch ihre großartige Musikalität die Zuschauenden in ihren Bann zu ziehen. In dem überwältigenden Farbenreichtum ihres Spiels sind Auflehnung und Verletzlichkeit ebenso nachfühlbar wie die verzweifelte Einsamkeit ihrer Figur.«
Neben Ambur Braid sind in der Kategorie Richard Glöckner (Theater Annaberg) und Nadine Lehner (Theater Bremen) nominiert.
Der Deutsche Theaterpreis DER FAUST würdigt herausragende künstlerische Leistungen in verschiedenen Sparten. Er wird vom Deutschen Bühnenverein und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Kooperation mit der Kulturstiftung der Länder verliehen.
Die Preisverleihung findet am 14. November am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden statt.
Ein Kessel Buntes unter Druck
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Eine Revue [2026]
von Axel Ranisch und Adam Benzwi
von Axel Ranisch und Adam Benzwi
Regisseur Axel Ranisch und Musikalischer Leiter Adam Benzwi (die sich bereits vor zwei Jahren mit »Messeschlager Gisela« dem »Heiteren Musiktheater« widmeten) bringen die DDR auf die Bühne – mit ihren Schlagern, ihren Songs, ihren Tänzen (der Lipsi!) und all ihren Widersprüchen. Gemeinsam haben sie einen Soundtrack zu vier Dekaden DDR-Geschichte entworfen, der das Publikum mit Tempo, viel Humor und einer guten Portion Bissigkeit durch den turbulenten Aufstieg und Fall der DDR führt.
Dabei erklingen die Hits großer Stars – von Gaby Rückert und Helga Hahnemann bis Frank Schöbel und Karel Gott –, aber auch Songs von Brecht/Eisler und Wolf Biermann. Die Revue taucht ein in den »Heißen Sommer« des Jahres 1968 (ein Filmerfolg mit hinreißend verrückten Choreografien) und lässt internationale Showacts aus der berühmten DDR-F1-Unterhaltungssendung »Ein Kessel Buntes« erneut gegenwärtig werden.
Der Cast – mit dabei u.a. Gisa Flake und Maria-Danaé Bansen sowie zahlreiche weitere bekannte Gesichter aus »Messeschlager Gisela« – schlüpft in dieser temporeichen Revue in unterschiedliche Rollen, die verschiedene Lebenswege und Lebensrealitäten in der DDR abbilden. Die Handlung orientiert sich größtenteils chronologisch an der DDR-Geschichte, ohne den Anspruch zu erheben, diese vollständig oder detailgetreu nachzuerzählen. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Situationen, Ereignisse und individuelle Auseinandersetzungen damit mosaikartig zusammenzusetzen.
Zwischen den 33 Liedern, die in 22 Musiknummern erklingen, finden auch Szenen aus dem Ost-Berliner Kabarett »Distel« ihren Platz, darunter bis heute unveröffentlichtes (weil seinerzeit zensiertes) Material. Da kann ein Kessel Buntes schon einmal unter Druck geraten!
The ultimate queer Sci-Fi hybrid Grand opéra!
Orlando
Eine fiktive musikalische Biografie [2019]
Libretto von Catherine Filloux und Olga Neuwirth
nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf
Libretto von Catherine Filloux und Olga Neuwirth
nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf
Stellen Sie sich vor, Sie wären unsterblich und könnten über vier Jahrhunderte Geschichte selbst erleben! Als Mann. Und dann als Frau.
Der junge englische Adelige Orlando wird als Favorit der Königin Elisabeth I. mit Orden und Gütern beschenkt und altert fortan nicht mehr. Nach einem unerfüllten Liebesabenteuer mit der schönen Russin Sasha zieht Orlando sich zurück und beschließt, Dichter zu werden. Abermals enttäuscht, lässt sich Orlando als Botschafter in ein fernes Kriegsgebiet versetzen, wo er eines Tages aus einem tranceartigen Schlaf als Frau erwacht. Auf der Suche nach Freiheit schreitet Orlando durch Jahrhunderte der patriarchalischen Ordnung, erlebt barocke Dekadenz, viktorianische Moral, zahlreiche Kriege und den Anbruch des digitalen Zeitalters. Orlandos nichtbinäres Kind verkörpert die Idee der fließenden Identität und stellt schließlich jede Dualität infrage. Als Dichter:in schreibt Orlando gegen Simplifizierung und Populismus an und konfiguriert als Zeitreisende:r das Jetzt immer wieder neu.
Virginia Woolf widmete ihren visionären Roman »Orlando« 1928 ihrer Geliebten Vita Sackville-West. Mit der 2019 uraufgeführten Oper »Orlando« setzt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth die fiktive Biografie in ihre Gegenwart fort und begibt sich selbst auf eine musikalische Zeitreise mit (Stil-)Zitaten von Henry Purcell bis Queen. Orlando erlebt die Kriege des 20. Jahrhunderts, Protestbewegungen, Hippies, Punks, den Anbruch des digitalen Zeitalters und den Vormarsch des Autoritarismus, Faschismus und der »öffentlichen Obszönität von Machthabern« (Olga Neuwirth).
Die Inszenierung von Regisseurin Ewelina Marciniak legt ihren Fokus auf die zwei großen Themen des Stoffs: Orlandos Wechsel der Geschlechtsidentität und Orlandos Schaffen als weibliche Schriftstellerin in einer männerdominierten Kunstform und Welt. Das Bühnenbild von Mirek Kaczmarek illustriert, dass Veränderung etwas Natürliches ist. Das kaleidoskopische Werk über die Fluidität von Zeit, Stil und Geschlechterrollen ist in dieser Neuproduktion der Komischen Oper Berlin erstmals auf einer deutschen Bühne zu erleben.
Tanz in den Mai
Spring!
Passend zum Frühlingsmonat Mai präsentiert die Komische Oper Berlin eines der absoluten Meisterwerke des 20. Jahrhunderts: Igor Strawinskys »Le sacre du printemps« – ein Ballett über ein Frühlingsopferritual, das mit seinen vertrackten Rhythmen und seiner aggressiven Klangsprache bis heute eines der imposantesten Schlüsselwerke Neuer Musik ist. Bei der Uraufführung am 29. Mai 1913 ereignete sich in Paris der wohl größte Musikskandal des 20. Jahrhunderts: 27 Verletzte und eine konsternierte Pariser High Society fielen dem Ballett zum Opfer. Aufreger des Abends war sowohl die Musik als auch das vom Ballets de Russe auf der Bühne dargestellte: In einer archaischen Zeremonie wird eine Frau ausgewählt, die sich in den Tod tanzt, um den Frühling heraufzubeschwören. Scharfe Dissonanzen, kantige Melodien und komplex geschichtete Rhythmen sprengten die Hörgewohnheiten des Publikums und lassen die Musik wie ein unaufhaltsames Naturereignis wirken. Strawinsky selbst bevorzugte fortan die rein orchestrale Version seines Werkes ohne Ballett, wie es auch in diesem Konzert an der Komischen Oper Berlin zu erleben ist.
Darüber hinaus bringt der amerikanische Dirigent Tito Muñoz spannende Musik jenseits des Atlantiks nach Berlin. Während in Europa Strawinskys expressionistische Ballette Anfang des 20. Jahrhunderts für Skandale sorgten, schuf der hierzulande deutlich unbekanntere mexikanische Komponist Silvestre Revueltas sein gleichfalls auf archaischen Tanzriten basierendes Orchesterwerk »Sensemayá«. Im gleichnamigen Gedicht des kubanischen Schriftstellers Nicolás Guillén wird die rituelle Tötung einer Schlange beschrieben. Revueltas faszinierte die musikalischen Qualitäten der gesprochenen Sprache, die er in reine Instrumentalmusik übersetzen wollte. Entstanden ist ein energetisch kraftvolles Werk, das nicht selten mit Strawinskys »Le sacre du printemps« in Verbindung gebracht wurde.
Sopranistin Josefine Mindus kehrt mit Brett Deans zeitgenössischer Shakespeare-Studie »And once I played Ophelia« an die Komische Oper Berlin zurück. Als Vorstudie zu seiner Oper »Hamlet«, die 2017 beim Glyndebourne Festival uraufgeführt wurde, komponierte Dean 2013 das Streichquartett mit Sopran »And once I played Ophelia«. Gemeinsam mit dem Librettisten Matthew Jocelyn fokussiert sich Dean darin auf Shakespeares Frauenfigur Ophelia als vielschichtige Persönlichkeit. Ihr Untergang erscheint weniger als individuelles Schicksal, denn als Folge der Machtstrukturen und des Wahnsinns der Männer um sie herum. An der Komischen Oper Berlin ist das Werk in der vergrößerten Fassung für Streichorchester und Sopran zu erleben.
Was könnte dieses Programm besser abrunden als Charles Ives’ »Frage nach der Existenz« – »The Unanswered Question«, in dem Streichorchester, Solotrompete und Holzbläser der »immerwährenden Frage nach dem Sein« nachgehen?
Moor Mother in Concert!
Schicksalsklänge
Das Orchester der Komischen Oper Berlin hat in den vergangenen Jahren einige Gipfeltreffen der besonderen Art ermöglicht: David Bowie traf auf Bruckner, Nick Cave auf Schubert. Diese Reihe wird am 10. April spektakulär fortgesetzt: Die Ikone des elektronischen Hip-Hop Moor Mother trifft auf Tschaikowsky – und Moor Mother performt selbst! Das Ergebnis ist: Verblüffend. Großartig. Ohren öffnend. Und elektrisierend.
2019 brachte die genresprengende Musikerin Moor Mother ein aufsehenerregendes Album heraus: Analog Fluids of Sonic Black Holes. Es scheint unmöglich, eine eindeutige Schublade für dieses Werk zu finden – ist es Rap? Hip-Hop? elektronischer Punk? Die ungeheure Energie, die von dieser Musik ausgeht, bedarf einer solchen Zuordnung aber auch nicht: Moor Mother präsentiert hier eine so wütende wie vielschichtige, aber auch mitreißende Anklage von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und rassistischer Willkür. Zugleich rückt Moor Mother aber auch eine Gegen-Erzählung zur herkömmlichen Geschichtsschreibung in den Mittelpunkt, indem sie die Erfahrungen marginalisierter und namenlos gebliebener Schwarzer Menschen zur Sprache bringt. Kaum vorstellbar, dass dieses von Samples und elektronischen Beats getragene Album im Gewand eines Orchesterwerks daherkommen könnte – doch genau dies ist Moor Mother mit Hilfe des Komponisten Ian Anderson gelungen. Die zornige rhythmische Energie Moor Mothers paart sich mit dem monumental-wuchtigen Sound des spätromantischen Orchesters sowie dem kammermusikalischen Klang des Streichquintetts Wooden Elephant.
Das Jahr 1888, in dem Tschaikowski seine 5. Sinfonie komponierte, erlebte der Komponist in einer seltsamen Diskrepanz – äußerlich sehr erfolgreich, nicht zuletzt aufgrund einer ersten europaweiten Konzertreise als Dirigent, fühlte er sich innerlich leer. »Habe ich nicht immerzu meine Vorstellungskraft zu sehr überanstrengt, ist die Quelle nicht versiegt?« schrieb er zu Beginn des Sommers an seine Gönnerin Nadeshda von Meck. Immer wieder wurde auch darüber spekuliert, ob diese Krise mit der nicht öffentlich lebbaren Homosexualität des Komponisten zusammenhing. Mit der Komposition der Sinfonie überwand Tschaikowski die Depression – und legte zugleich Zeugnis von ihr ab.
Komische Oper Berlin: Spielzeit 2026/27
Von Königen und Göttern, von Hähnen und Pferden, von Liebe und Leid, von Märchen und Magie, von Konserven und Pasteten, von Diven auf Brettern, die die Welt bedeuten... und vieles mehr!
»Die Kürzungen im Kulturetat werden weiterhin einen enormen Einfluss auf unsere künstlerische Arbeit haben. Wir können und wollen aber nicht an der Qualität sparen. Die Konsequenz sind weniger Neuproduktionen. Ein mutiges und abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen, bleibt jedoch eine Selbstverständlichkeit: Die künstlerische Qualität darf nicht unter dem Spardruck leiden. In den drei vergangenen Auswärtsspielzeiten haben wir gesehen, was trotzdem möglich sein kann. Aus der gemeinsamen Freude für die fantastischen Möglichkeiten des Musiktheaters schöpfen wir unsere Kraft, dank derer wir zuversichtlich und enthusiastisch in die Zukunft blicken. Lassen Sie sich begeistern!
Neben dem Programm auf der Bühne richtet sich unser Blick auf das Stammhaus in der Behrenstraße, dessen notwendige Sanierung weiterhin eine große Herausforderung darstellt. Zwischenzeitliche Unsicherheiten über die Finanzierung hatten sogar einen Baustopp befürchten lassen. Dass dieser abgewendet werden konnte und die Arbeiten fortgesetzt werden, ist ein wichtiges Signal des Berliner Senats für die Zukunft des Hauses. Die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, den Spielbetrieb der Komischen Oper Berlin langfristig zu sichern und dem Publikum auch künftig außergewöhnliche Musiktheatererlebnisse zu ermöglichen.« #allesaußergewöhnlich
Neben dem Programm auf der Bühne richtet sich unser Blick auf das Stammhaus in der Behrenstraße, dessen notwendige Sanierung weiterhin eine große Herausforderung darstellt. Zwischenzeitliche Unsicherheiten über die Finanzierung hatten sogar einen Baustopp befürchten lassen. Dass dieser abgewendet werden konnte und die Arbeiten fortgesetzt werden, ist ein wichtiges Signal des Berliner Senats für die Zukunft des Hauses. Die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, den Spielbetrieb der Komischen Oper Berlin langfristig zu sichern und dem Publikum auch künftig außergewöhnliche Musiktheatererlebnisse zu ermöglichen.« #allesaußergewöhnlich
Am Dienstag, 24. März 2026, 11 Uhr beginnt der exklusive Vorverkauf für Stammkund:innen und solche, die es werden wollen (OpernCard 25-Inhaber:innen, Abonnent:innen und Förderkreis-Mitglieder).
Der reguläre Vorverkauf für alle Zuschauer:innen startet bereits 6 Tage später, am Dienstag, 31. März 2026, 11 Uhr. – Karten können online, telefonisch oder direkt an den Opernkassen gebucht werden.
Omen!
Belshazzar
Georg Friedrich Händel
Oratorium in drei Akten [1745]
Libretto von Charles Jennens nach Bibeltexten
Oratorium in drei Akten [1745]
Libretto von Charles Jennens nach Bibeltexten
Regierende Rüpel sind wieder in Mode und an der Macht. Dieser Typus Mann räumt auf, stürzt um, greift durch, nimmt aus; und er fühlt sich dabei toll, jung und heiterdestruktiv. Auch König Belshazzar war ein Rüpel, ein Monsterregent in biblischen Zeiten…
Im Rausch eines höfischen Festes verhöhnt König Belshazzar den jüdischen Gott: »Ich bin der König von Babylon!« Gegen Mitternacht flammt an der Wand eine rätselhafte Schrift auf: MENE, MENE, TEKEL UPHARSIN. Niemand kann die Zeichen deuten. Die kluge Königinmutter will den Propheten Daniel befragen. Er deutet die Zeichen – MENE: Der Gott, den du gelästert, hat deine Tage gezählt und endet sie. TEKEL: Du bist gewogen und für zu leicht befunden worden. UPHARSIN: Dein Reich wird aufgeteilt zwischen Medern und Persern. Das Oratorium endet wie prophezeit – mit dem Tod des Rüpel-Königs und der beglückenden Befreiung des babylonischen und jüdischen Volkes aus dessen Herrschaft.
Ursprünglich vom Komponisten als Oper geplant, enthält das Oratorium nicht nur einen äußerst theatralischen Kern, sondern sogar konkrete szenische Anweisungen in der Partitur, was eine bildhafte Inszenierung nahelegt. Herbert Fritsch – wieder da! – findet in diesem Stoff ein ideales Material. Für ihn kennt die Geschichte kein eindeutiges Gut oder Böse. Sie erzählt von Figuren, deren Handeln aus ihren Lebensumständen erwächst und die ihren Platz in einem Geflecht aus politischen und familiären Spannungen suchen. Händel-Spezialist George Petrou kehrt nach »MESSIAS« an die Komische Oper Berlin zurück, um die komplexen Nuancen dieses barocken Oratoriums zu entfalten.
Die legendäre Geschichte des babylonischen Königs wird bei Herbert Fritsch aus dem oratorienhaften Habitus in einen wilden Tanz überführt. Sein entfesseltes Theater jagt die Figuren durch diverse Wechselbäder der Gefühle: Stolz und Freude, Liebe und Hass, Hoffnung und Hybris, Horror und Panik. All diese Affekt-Räume sind in Händels Oratorium zu hören. Aus den der barocken Komposition fein abgelauschten Partikeln filtert Fritsch die Motive für sein horrendes Körperspiel. Man darf gespannt sein – Fritsch ist es auch.
Die Komische Oper Berlin trauert um ihr Ehrenmitglied Tom Schilling
Die Komische Oper Berlin trauert um ihr Ehrenmitglied Tom Schilling, der das Gesicht des Hauses nahezu drei Jahrzehnte – von 1965 bis 1993 – als Chefchoreograf auf entscheidende Weise mitprägte. Schilling verstarb am 16. Januar 2026, kurz vor seinem 98. Geburtstag. Seiner testamentarischen Verfügung zufolge wurde sein Tod erst nach seiner Beisetzung am 26. Februar bekanntgegeben.
1965 holte Walter Felsenstein den damaligen Ballettdirektor der Staatsoper Dresden nach Berlin, um ihm an der Komischen Oper Berlin den Aufbau und die Leitung eines modernen Tanztheater-Ensembles anzuvertrauen. Tom Schilling erwies sich für Felsenstein und die ästhetische Ausrichtung des Hauses als absoluter Glücksgriff: Vom Ausdruckstanz Mary Wigmans her kommend, verband er deren Bewegungssprache mit der des klassischen Balletts, um so eine eigene Spielart des realistischen Musiktheaters im Sinne Felsensteins zu kreieren. Seine Choreografien zielten nicht auf Abstraktion, sondern auf gut erzählte Geschichten und die psychologisch ausgefeilte Schilderung des menschlichen Beziehungsgeflechts. Anlässlich der Premiere von Prokofjews »Romeo und Julia« im Jahr 1972 attestierte Walter Felsenstein seinem Chefchoreografen, eine »Gipfel-Synthese von klassischem Tanz und darstellender Kunst« geschaffen zu haben. Schillings Deutungen etwa von Henzes »Undine« (1970), Tschaikowskys »Schwanensee« (1978) oder der Goethe’schen »Wahlverwandtschaften« (mit Musik von Franz Schubert, 1983) erlangten legendären Status. Über die abendfüllenden Ballette hinaus erarbeitete Schilling auch Choreografien für andere Inszenierungen des Hauses, etwa für Felsensteins berühmte »Fiedler auf dem Dach«-Aufführung.
Kolleginnen und Kollegen, die noch mit Tom Schilling gearbeitet haben, sprechen über ihn bis heute in tiefer Bewunderung und mit dem allergrößten Respekt. Nach seinem Ausscheiden aus der Komischen Oper Berlin hat sich Tom Schilling rar gemacht, 1998 verschwand die letzte seiner Choreografien vom Spielplan. Er selbst hatte verfügt, dass seine Ballette nicht wieder einstudiert werden dürften. Um so bewegender ist vielen der Moment in Erinnerung, als Barrie Kosky ihn beim Schlussapplaus seiner »Anatevka«-Inszenierung noch einmal auf die große Bühne holte. Für wunderbare, unvergessliche Minuten war Tom Schilling dort – unter der überwältigenden Zuneigungsbekundung des Publikums – als glücklicher Mensch zu erleben. So wollen wir ihn in Erinnerung behalten. Wir verneigen uns vor einem unwiederholbaren, einzigartigen Lebenswerk.